Ein Statement von Anja Schumann - Vizepräsidentin fbr Regenwasserbewirtschaftung ist auch Hochwasserschutz

Der Bayerische Staat plant seit dem verheerenden Hochwasser in Deggendorf ein neues Hochwasserschutzprogramm. Im Juni 2013 wurden Tausende Menschen evakuiert, der Gesamtschaden lag bei fast 5 Mrd. €. Ursache waren heftigste Regenfälle und der Nebenfluss Inn, der der Donau zu viel Wasser zuführte. Jetzt plant die Regierung Bayerns große Flutpolder, die 100-jährige Regenereignisse puffern sollen. Entlang der Donau sollen große Rückhaltebecken mit über 12 Mio. m3 Rückhaltevolumen entstehen. Sicherlich zur Prävention und Entlastung ein probates Mittel. Aber ist es nicht so, dass hier nur die Symptome und nicht die Ursachen bekämpft werden?

Das bayerische Landesamt für Umwelt hat in seinem Regenwasserratgeber empfohlen, dort das Regenwasser zu bewirtschaften, wo es anfällt, sprich dezentrale Lösungen zu wählen. Hierzu gehört auch die Regenwassernutzung! Eine vernünftige Regenwasserbewirtschaftung bezieht alle Anwendungsmöglichkeiten ein, um anfallendes Regenwasser sinnvoll einzusetzen und im natürlichen Kreislauf zu halten. Die Maxime ist, so wenig wie möglich Regenwasser in die Vorfluter und Flüsse zu schicken. Dies darf keinesfalls, wie leider so oft bei Empfehlungen der Fall, an den Kosten scheitern. Ein Beispiel dazu ist ein Bild des Bayrischen Wasserwirtschaftsamtes, das einen bereits gebauten Flutpolder an der Iller zeigt: auf der einen Seite der Polder, der sich in eine Auenlandschaft ausbreiten kann, auf der anderen Seite ein kleines neues Industriegebiet – direkt am Fluss, keine Gründächer, keine Rückhalteräume. Eine kleine Gemeinde genehmigt ein Industriegebiet, ohne große Auflagen, um neue Arbeitgeber und Investoren nicht zu vergraulen. Flächen werden versiegelt, es fällt noch mehr Regenwasser an, das irgendwo hin muss. Weder das Wasserwirtschaftsamt noch das Landesamt für Umwelt können hier Auflagen vorgeben. Regenwassermanagement ist Gemeindesache. Ist das noch zeitgemäß?

Fließgewässer haben schnell die Gemeindegrenzen verlassen. Die Donau durchfließt von ihrem Ursprung bis zur Mündung im Schwarzen Meer zehn Länder. Wäre es nicht an der Zeit, eine nationale Strategie der Hochwasservermeidung in Abstimmung mit einer europäischen Richtlinie zu finden? Wir werden sicherlich nicht durch dezentralen Lösungen Hochwässer komplett vermeiden, aber wir könnten den heftigsten Regenschauern ihre Niederschlagsspitzen nehmen, Abflüsse verzögern und somit gigantische Bauwerke verkleinern und für die Betroffenen die Auswirkungen vermindern. Schlüssige Regenwasserbewirtschaftungskonzepte sollten vorgeschrieben und gefördert werden. Jedes neue Bauprojekt gibt uns eine Chance, vernünftig mit Regenwasser umzugehen. Eine Versiegelung und schnelle unterirdische Ableitung darf heutzutage nicht mal mehr in Erwägung gezogen werden.

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