Editorial fbr-wasserspiegel 1/19 von Erwin Nolde Erhöhte Vulnerabilität für Mensch, Flora und Fauna weiter ignorieren?

Ach, was hatten wir 2018 für einen herrlichen Sommer – der Klimawandel hat doch auch eine gute Seite, so hat vielleicht der Eine oder die Andere gedacht und warum die Erderwärmung auf 2°C begrenzen?
Eine Körpertemperatur bis 37,4°C gilt als normal – aber nur 2 °C mehr bedeutet bereits hohes Fieber, das wirkt auf Dauer belastend, sollte gesenkt und der Arzt verständigt werden!
Das „Erdfieber“ zu senken – davon spricht niemand, obgleich Deutschland zu den 25 Ländern zählt, die im Zeitraum von 1998 – 2017 am stärksten vom Extremwetter betroffen waren.

In 2017: Starkregenereignisse, Murenabgänge, geflutete U-Bahnschächte, Missernten u.a.
2018: Dürre, Waldbrände, Wassermangel in der Wasserversorgung, Landwirtschaft und im Rhein.
Ein Professor hatte mir ähnliches vor 30 Jahren aufgezeigt und dass die Wasserwirtschaft das Problem allein nicht lösen kann, obgleich der Entwurf des DWA-A 102 durchaus in die richtige Richtung zielt, wenn die örtlichen Wasserhaushaltsgrößen Oberflächenabfluss, Grundwasserneubildung und Verdunstung des unbebauten Zustandes soweit wie möglich erhalten bleiben sollen.
„Berlin soll „Schwammstadt“ werden, das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen“.
Schön und dann – oder wenn auch in 2019 und 2020 wieder zu wenig Regen fällt?
Dazu hört man leider nichts Zukunftsweisendes. Obgleich das Berliner WHG in §2a (3) bereits seit 1960 „… die sparsame Verwendung von Wasser, die auch durch ökonomisch wirkende Maßnahmen gefördert werden soll“ vorschreibt, werden Regenwassernutzung und Grauwasserrecycling behindert, gebührenrechtlich benachteiligt, vom Versorger ungeachtet dessen ein höherer Wasserverbrauch propagiert und viele Millionen Euro unwiederbringlich in viel zu teure Stauraumkanäle versenkt statt in Zisternen zu investieren.
Mit Versickern und verzögert ableiten ist der natürliche Berliner Zustand mit 78 Prozent des Niederschlagsverdunstung nicht erreichbar. Stattdessen heizt sich die Stadt zunehmend auf und Krankenhäuser registrieren zusätzliche Noteinsätze! 2018 sind viele Berliner Parkflächen, nicht bewässerte Gründächer, Straßenbäume frühzeitig vertrocknet und Fische verendet. Weitere Schäden werden vermutlich in 2019 spürbar. Eine rechtzeitige Weichenstellung für die Betriebs- und Regenwassernutzung – Technologien, die sich gut bewährt haben, hätte 2017 manche Wasser- und 2018 viele Trockenschäden verhindern können.


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