Stellungnahme der fbr zum dpa Presseartikel v. 30.08.2018 Betriebswassernutzung im Rhein-Main-Gebiet

Stellungnahme der fbr zum dpa Beitrag "Frankfurt und Wiesbaden setzen mehr auf Brauchwasser"

Darmstadt, 04. September 2018. Trinkwasser wird durch den Klimawandel immer kostbarer. Der Rekordsommer 2018 hat die Notwendigkeit zu einem Umdenken in der Wasserversorgung auch für Deutschland verdeutlicht. Die Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V. (fbr) begrüßt daher den Vorstoß der Großstädte im Rhein-Main Gebiet, wie Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt, verstärkt Betriebswasser, fälschlicherweise häufig auch als Brauchwasser bezeichnet, zur ergänzenden Wasserversorgung einzusetzen.

Besonders im Hinblick auf die schrumpfenden Grundwasservorkommen ist die Einbindung von ortsnah verfügbarem Betriebswasser in die Wasserinfrastruktur ein wesentlicher Schritt zur langfristigen und nachhaltigen Sicherung der Wasserversorgung im wachsenden Ballungsraum. Sie verhindert auch in langen Trockenperioden einen Wasser-Raubbau an den umliegenden Ökosystemen und benötigt keine kostenintensiven Fernwasserleitungen aus anderen Gewinnungsgebieten.
Doch diese sinnvolle Maßnahme stößt offenbar auf den Widerstand der örtlichen Was-serversorger, allen voran des Wasserverbandes Hessisches Ried. Mit einer irreführenden PR-Berichterstattung über angebliche Komplikationen versucht er ein Angstszenario bei Kommunen, Politikern und Bürgern zu erzeugen. Dabei stellt er wesentliche Aspekte, wie Herkunft des Wassers, hohe Qualitätsstandards sowie Begrifflichkeiten falsch dar oder unterschlägt sie. Vor allem seine Äußerungen zur Betriebswasserqualität sind fachlich nicht nachvollziehbar.

Fakt ist, dass die Betriebs- und Regenwassernutzung seit Jahrzehnten erfolgreich als Versorgungstechnik eingesetzt wird. Denn längst nicht alle Anwendungen in Gebäuden benötigen Trinkwasser. So sind mittlerweile mehr als 2 Millionen Regenwassernutzungsanlagen in Deutschland, auch mit Unterstützung von Förderprogrammen fast aller Bundesländer, in Betrieb gegangen. Neben den bereits gängigen Applikationen in Privathaushalten (Toilettenspülung, Waschmaschine) wird Regenwasser auch in öffentlichen Gebäuden bis hin zu Krankenhäusern, in Industrie und Gewerbe oder zur Bewässerung als Betriebswasser eingesetzt. Weitergehende Systeme schließen die Mehrfachnutzung und Kreislaufführung von Grauwasser mit ein. Schließlich bietet ein Wasserrecycling, d.h. eine Aufbereitung von Wasser aus Duschen und Badewannen zu hochwertigem Klarwasser nahe der Trinkwasserqualität, ein noch weitergehendes Potential zur Reduzierung des Trinkwasserverbrauches. All diese Systeme entsprechen dem aktuellen Stand der einschlägigen europäischen Normen, die wesentlich mit deutscher Beteiligung erstellt wurden.

Die Dringlichkeit, zukunftsfähige Wasserinfrastruktursysteme in wachsenden Städten zu realisieren, unterstreichen auch die großangelegten Forschungsvorhaben, die durch die Bundesregierung in den letzten Jahren umfangreich gefördert und vom Deutschen Institut für Urbanistik veröffentlicht wurden. Die fbr unterstützt solche sektorübergreifenden Maßnahmen neuartiger Wasserinfrastruktursysteme, da diese sowohl Schäden durch Überflutungen bei Starkregen als auch Versorgungsengpässe bei Trockenheit verhindern, und zu einer Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Die fbr befürwortet daher die verstärkte Anwendung von Regenwasserbewirtschaftung, Regenwassernutzung und Wasserrecycling bei Neubauvorhaben und bei Sanierungsmaßnahmen in der Siedlungswasserwirtschaft des Rhein-Main-Gebietes und darüber hinaus.

Ziel muss es sein, den steigenden Wasserbedarf der Ballungsgebiete auch in Zukunft sicher abdecken zu können. Als hierfür wirksame Maßnahme stellt die Betriebs- und Regenwassernutzung zu der bestehenden Wasserinfrastruktur keine Konkurrenz dar, sondern lässt sich mit dieser gut kombinieren – das zeigen die Praxiserfahrungen.
Letztendlich dienen die dezentralen Systeme dem nachhaltigen Schutz der Ressource Wasser, machen Wasser bezahlbar für alle Bürger sowie die Wasserinfrastruktur gegenüber dem fortschreitenden Klimawandel widerstandsfähig.

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Pressekontakt:
Dietmar Sperfeld
Fachvereinigung Betriebs-
und Regenwassernutzung e. V.
Havelstr. 7 A, 64295 Darmstadt
E-Mail: info@fbr.de